Hallo Heimat, hier in Quito spielt das Wetter mal wieder verrueckt. Heute morgen war es recht kalt aber mittags hatte es 30 Grad und ich bin mit kurzer Hose und Hemd raus. Jetzt regnet es wie'd Sau und hat so ca. 15 Grad. Aber fangen wir mal von vorne an.
Erst mal zu meiner Familie - que chevere - eigentlich waer ich ja bei Familie Bonilla gewesen, aber durch irgendein Zufall bin ich nun bei Familie Gomez. Echt super! So ists glaub besser. Ich wohne fuenf Minuten von der Schule entfernt und die ganze Familie ist soo nett. Vier Kinder und grad drei Studenten. Die Kinder sind so 19 bis 25 Jahre alt. Bei jeder Mahlzeit sitzt jemand anders am Tisch, den man bisher noch nicht gekannt hat. Da geht echt immer was.
Am Samstag war ich mit der Schule in Otavalo. Wir waren zu fuenft. Vincente - ein Lehrer - Frau Oesterreich, Frau USA, Herr Australien und ich. Um 7 in der Frueh gieng's los. Zuerst nach Cayambe, ein kleines Dorf das den gleichen Namen traegt wie der Vulkan der in der Naehe ist. Dort haben wir in einem Hinterhofladen so kleine Blaetterteigteile gegessen und zugesehen wie sie diese hergestellt haben. Zuerst wird die ganze Teigpampe mit den Haenden vermischt, dann auf nen andren Tisch geschmissen und in Form gebracht. Anschliessend geht es damit in den Horno de leña (Holzofen). Hmmm... Lecker! Das Dorf ist fuer die Dinger bekannt, hat jedenfalls Vincente gesagt. Danach fuhren wir nach Otavalo um den groessten und bekanntesten Indio-Markt in ganz Suedamerika zu besuchen. Indigenas (Indios) verkaufen dort Artesenia und Webprodukte aller Art. Gegen Mittag wurde es dann richtig voll auf dem Markt, da dann auch die ganzen Turisten mit ihren Bussen eingetrudelt waren. Unsere naechste Station war der Vulkan Cuicocha mit seinem schönen Kratersee auf dem wir dann auch a bissle Bootle gefahren sind. Nach dem Boottrip gab es ein Indiogebrauu (von brauen, aber ich hab hier ja keine Umlaute) das ganz schoen fuerte war. Meine Guete, dass hat vielleicht gebeamt. Schmeckte wie Gluehwein nur 324 mal so stark.
Cascada de Peguche (Wasserfall) und en Besuch von Cotacachi, bekannt für günstige Lederwaren, waren der kroenende Abschluss des Ausflugs. Auf die letzten beiden Dinger haetten glaub alle verzichten koennen, da die Wasserfaelle bei uns im Selva Negra ja auch nicht viel anders sind und ich ja Leder soooo liebe. *g* Nun ja nach einer nichtendendenwollenden, puh, Rueckfahrt waren ich dann wieder in "meiner" Familie. Und wen wundert's, wieder waren neue Leute im Haus. Freunde und Familie der Familie und eine aus der Schweiz, die glaub bis Dienstag im Haus ist, da sie nun von 5 Monaten Suedamerika wieder Heim geht. Hoffen wir mal dass sie nicht den Zug nimmt. *g*
En la noche war ich dann mit den Kindern und ihren Freunden in einer Discoteca, zwei Blocks von der Wohnung entfernt. Den ganzen Abend nur Salsa. Meine Fresse, die Latinos gehn vielleicht ab beim Salsa, wie Schnitzelweckle. Muss man echt mal gesehen haben. Da ich ja soo gut Salsa tanzen kann bin ich lieber mit Mojitos am Tisch geblieben.
Sonntag:
Heute bin ich zur Mitte der Erde gefahren. Zum ersten Mal alleine mit dem Bus durch Quito cruisen. Luschdig! Am Mitad del Munde angekommen bin ich dann zuerst in das grosse Mitad del Mundo-Dorf gegangen um das obligatorische Aecuatorfoto zu machen. Obwohl es ja schon a bissle komisch ist dass die da so ein grosses Trara um den Aecutor machen obwohl der eigentlich ca. 150 Meter weiter rechts ist. Ham das Dorf halt gebaut und danach per GPS festgestellt dass es eigentlich gar nicht der genaue Aecuator ist. Desshalb bin ich danach in ein kleines Museum gleich daneben gegangen, wo sie mit verschiedenen Experimenten bewiesen haben dass der Aecuator da ist.
Das Beste war folgendes: Wenn bei uns das Wasser aus dem Ausfluss eines Waschbeckens fliesst, fliesst es ja kreisfoermig ab. Sodele. Zuerst haben sie also das Wasser auf der Nordhalbkugel rauslaufen lassen und es ist rechtsrum, oder linksrum (ist ja egal) abgeloffen. Danach auf der Suedhalbkugel -> alles grad andersrum halt. Und auf dem Aecuator ist es senkrecht nach unten abgeloffen. Das war schon eindrucksvoll!
Bei einem anderen Experiment konnten die Besucher ein Ei auf einen Nagel stellen. Auf dem Aecuator geht das anscheinend immer, bei uns nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dann gab es noch eine Fuehrung durch Haeuser der Ureinwohner und so, schee. In kurz also kann man das ganze Ethnozeug in dem grossen Dorf vergessen und sich in dem kleinen Ding die wirklich interessanten Sachen ansehen.
Anschliessend bin ich mit nem Guide zum Vulkankrater Pululahua (glaub man schreibt das so...) aufgestiegen. Hoert sich jetzt vielleicht schwierig an, war aber insgesamt nur eine Stunde dann war ich wieder im Mitat del Mundo. Der Krater ist 4 Kilometer weit und 300 Meter tief und unten wohnen Leute, die den fruchtbaren Boden zur Landwirtschaft nutzen. Der Vulkan ist wohl noch aktiv, bricht aber nicht mehr aus (oder so, hab das nicht so ganz gecheckt). Wohnen wollte ich da jedenfalls nicht. In den Krater fuehrt nur ein mit Jeeps befahrbarer Weg. Der Guide zeigte mir auch einen Berg, ueber den der Aecuator verlauuft (will Umlaute auf der Tastatur!!!). Mit einem Hubschrauber haben sie dort eine Plattform gefunden, war halt zugewachsen oder so, die genau auf dem Aecuator liegt. Die Bewohner haben also schon vor mehr als 1000 Jahren gewusst wo der Aecuator verlauuft. Sterne sei Dank. Alter Schwede, nicht schlecht!
Jetzt sitz ich grad im Internetcafe und schreib euch was ich so erlebt habe. Hab heute eine neue Profesora bekommen, deren Name ich mir wohl in der Woche auch noch meken kann. Ist aber ganz nett. Mit ihr waren wir die letzte immer Nachmittags in Quito unterwegs. Morgens gab es erst mal ein grosses Wiedersehen. Kristin und Johanna (aus meinem Kurs an der Berufsakademie in Schwenningen) sind am Sonntag hier angekommen. Die waren glaub froh sich mit jemand ohne Sprachbarrieren zu unterhalten. Hab sie dann gleich mal mit meiner Bussinessclass-Story neidisch gemacht. War wohl sehr unbequem in der Economy... Hab ich auf dem Rueckflug ja auch noch vor mir. Oder habe ich schon wieder so viel Glueck...
Ach ja, am Freitag Abend gab es hier ein pequeno trombler (Erdbeben). War grad in der Wohnung am Schreibtisch und hab was geschrieben. Zuerst habe ich gedacht da kommt jemand ueber den Flur, aber als es staerker wurde war's mir dann auch klar. Man merkt halt schon dass das hier eine Gegend mit vielen Vulkanen und seismischen Aktivitaeten ist (ich glaube das nennt man so). Bis auf uns Studis hat das aber niemand gejuckt. Kommt hier anscheinend oefters vor. Danach gab es ein kleines Nachbeben und fuer den Rest der Nacht war dann aber auch Ruhe mit gewackel.
Letzte Woche habe ich mir auch ein paar Gedanken ueber meine Reise gemacht. Werd wohl dieses Wochenende den Cotopaxi (fast 6.000 Meter hoch) besteigen wenn das Wetter und mein Koerper mitmacht. Andrea, die aus der Schweiz, hat gemeint dass es bei schoenem Wetter ein Spaziergang waer. Schaun mer mal. Sie musste naemlich auch wegen hoher Lawinengefahr kurz vor dem Krater umkehren. Werd morgen mal hier in Quito nach ner Agentur ausschau halten um so nen Trip zu buchen. Keine Angst, mit Fuerher natuerlich. Dann am Montag hab ich ja das letzte Mal Unterricht in der Schule und werd dann wohl am Dienstag, oder Montag Mittag, in den Dschungel aufbrechen. In Tena will ich dann ein bissle Dschungelluft schnappen und so 2 bis 3 Tage bleiben. Danach nach Baños, das Tor zum Oriente, und spaeter nach Riobamba um mir auf dem Dach eines Zuges die Landschaft anzuschauen. Muss viele Touristen dort haben. Anschliessend geht es nach Cuenca im Sueden von Ecuador um mir die Inkastaetten anzuschauen. Danach dann ueber Guayaquil an die Costa nach Puerto Lopez. Dort werde ich auf die Isla de la Plata fahren um ein bisschen Galapagos fuer die Armen zu sehen (wird hier so genannt). Galapagos ist echt sauteuer! Nun ja, und danach in neuen Stunden mit dem Bus zurueck nach Quito wo mein Flug nach Hause (in der Businesclass natuerlich *g*) auf mich warten wird.
Sodele, das waren jetzt fuer mich fast zwei Stunden aber hier ist ja das Internet ja eh fast umsonst. Adios y hasta luego - euer Jojo